Segelstadt Qingdao

Qingdao - Schauplatz der olympischen Segelregatten 2008
Qingdao oder Tsingtao oder ist eine Hafenstadt mit 7,3 Millionen Einwohnern in der Provinz Shandong im Osten der Volksrepublik China. Die olympischen Segelregatten der Peking-Spiele 2008 werden hier stattfinden, an einem der wenigen bedeutenden Badeorte in China.
Von 1897 bis 1914 stand Qingdao als Kolonie unter deutscher Herrschaft. Aus dieser Zeit sind viele Bauten erhalten. 1913 bestand die Stadtbevölkerung aus 53.312 Chinesen, 2.069 Europäern und Amerikanern, 2.400 Soldaten der Garnison, 205 Japanern und 25 anderen Asiaten. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs, wurde Qingdao von Japan besetzt. Daraufhin strömten japanische Kaufleute und Gewerbetreibende in die Stadt. Es entstand ein Japanerviertel, in dem 1920 bereits 17.597 Japaner lebten, die wie die Deutschen den Ehrgeiz hatten, eine Musterkolonie aufzubauen. Entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages blieb die Kolonie zunächst in japanischer Hand. Die Rückgabe an China erfolgte erst am 10. Dezember des Jahres 1922.
Wirtschaftlich entwickelte sich Qingdao nach der Öffnung Chinas im Jahr 1978 sehr schnell. Als Hochseehafen ist Qingdao bedeutend für die Öl verarbeitende Industrie und den Güterverkehr der gesamten Halbinsel Shandong. Die Stadt besitzt den drittgrößten Hafen der Welt. Qingdao ist für die Produktion von Fischprodukten, Textilien (u.a. Jean Pierre, Hong Ling), Haushaltselektronik (u.a. Haier, Hisense, Aocma ) und Reifen (u.a. Good Year, Shuangxin) bekannt. Auch die ehemals deutsche Brauerei ist nun ein weltweit agierendes Unternehmen und hat inzwischen Brauereien in ganz China, Teilen Asiens und Nordamerikas aufgebaut.
Mit der Entscheidung der chinesischen Olympia-Organisatoren, die Segelregatten in Qingdao stattfinden zu lassen, erlebt die Stadt einen weiteren Schub. Sie soll auch über 2008 hinaus das Segelsport- und Yachtzentrum Chinas werden. Dabei hat man neben dem Leistungsport und der Yachtindustrie auch segelbegeisterte ausländische Geschäftsleute im Blick, die in wachsender Zahl in China arbeiten und leben.
Auf 450.000 Quadratmetern entsteht das "Qingdao International Sailing Centre", das neben zahlreichen Bauten an Land den Hafen und die Regattafelder umfasst. Bereits im Vorfeld der Spiele möchten die Organisatoren Qingdao in der Yachtsportwelt zu etablieren. Helfen soll dabei eine Kooperation mit der Stadt Kiel (Kiel.Sailing City), die in der Kieler Woche alljährlich die größte Regattaveranstaltung der Welt durchführt. CSCG ist in Qingdao mit dem SMS Office China vertreten.
China und der America's Cup
Der America's Cup gilt als die älteste Sport-Trophäe der Welt. 1851 (und damit 15 Jahre vor den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit) wurde die "Silberkanne erstmals an den Sieger einer Regatta vergeben: den Schoner "America" (New York Yacht Club), der die versammelte britische Flotte vor der "Isle of Wright" bezwungen hatte. Die "America" gab der Trophäe ihren bis heute bestehenden Namen und 132 Jahre lang konnte der New York Yacht Club in der Folge alle Herausforderer bezwingen - die längste Siegesserie in der Welt des Sports.
Inzwischen war der America's Cup im Besitz von Yacht Clubs aus Australien, Neuseeland und der Schweiz (Team Alinghi, 2003), aber eines ist er immer geblieben: Die Krone im Segelsport und ein faszinierenden Wettbewerb, der vom ersten Tag an auch ein Wettstreit der Konstrukteure war. Nicht wenige revolutionäre Neuerungen im Yachtbau sind dem Streben nach dem Gewinn des America's Cup zu verdanken. Nicht umsonst wird der America's Cup auch als die "Formel 1 der Meere" bezeichnet.
Mit dem Triumph des Schweizer Alinghi Teams von Pharma-Milliardär Ernesto Bertarelli und der Rückkehr des Cups nach Europa 2003 brach eine neue Ära im America's Cup an. Bertrarelli und Software-Tycoon Larry Ellison mit seinem BMW ORACLE Racing Team, das Alinghi zuerst herausforderte, wollen gemeinsam einen weltweit beachteten Event aus dem America's Cup machen, die Marketingmöglichkeiten stark verbessern und die Zuschauer näher heranbringen. Die Strategie scheint aufzugehen, erstmals sind beim Cup 2007 in Valencia Teams aus Südafrika, Deutschland und China dabei. Die Begeisterung wächst.
Das China Team segelt unter der Flagge des "Qingdao International Yacht Club" und ist caus dem französischen Team "Le Defi" hervorgegangen, das bereits an zwei America's Cups teilgenommen hat und über alle technischen wie personellen Vorraussetzungen verfügt. Geführt wird China Team vom Chaoyong Wang, dem Chairman einer der führenden chinesischen Venture-Capital-Gesellschaften. Auch wenn dem China Team im ersten Anlauf so gut wie keine Siegchancen eingeräumt werden, so ist das wirtschaftliche Potenzial dennoch enorm. Weltweit interessieren sich immer mehr Großkonzerne für die Marketingmöglichkeiten des America's Cup oder sind bereits eingestiegen. Es gab bereits konkrete Überlegungen, America's-Cup-Testregatten in China durchzuführen. Dass die majestätischen High-tech-Rennyachten eines Tages etwa vor der Skyline Shanghais segeln oder im Qingdao International Sailing Centre, ist längst keine Utopie mehr.
